Klarinettenbauer Roland Dörfler im Porträt

Konzert- und Jazzklarinetten aus altem Grenadill-Holz

23.09.2008 Andrea Weber

Ein Holzblasinstrumentenbauer ist Spezialist für handgemachte Klarinetten. 35 Jahre alt ist das Holz, aus dem er die Musikinstrumente baut.

Grenadill oder Cocobolo, das sind nicht etwa die Namen populärer Sommer-Drinks. Grenadill ist ein afrikanisches Holz, pechschwarz und eines der schwersten der Welt. Cocobolo ist ebenfalls ein Hartholz, das aus Mittelamerika stammt. Erst wenn diese Hölzer 35 Jahre lang gelagert wurden, kann Roland Dörfler aus Geretsried sie in seiner Werkstatt brauchen. Sein Beruf hat eine lange Tradition und einen noch viel längeren Namen: Dörfler ist ein Holzblasinstrumentenbauer-Meister und ein Spezialist für handgemachte Klarinetten. Seine Instrumente sind aus Grenadill. „Weil ihr Korpus robust sein muss, sich nicht verziehen darf oder gar reißen, wenn die Temperaturen schwanken“, erklärt er. Denn der Ton muss stimmen, der ja bekanntlich die Musik macht.

In der kleinen Werkstatt, gleich neben seinem Musikgeschäft in Geretsried-Stein, im Münchner Süden, stehen schwarze Grenadill-Hölzer, vom rohen Vierkantprofil bis zur vollendeten Konzertklarinette. Etwa neunzig Stunden arbeitet Dörfler an solch einem Blasinstrument. Doch erst wenn auf dem mit Schellack hochglanzpoliertem Unter- und Oberstück, die Tonlöcher gebohrt sind und die bizarre Mechanik befestigt ist – aus metallischen Stegen und Klappen – wird aus dem Holzklotz eine Klarinette. Ihren unverkennbaren rauchigen Ton haben Musiker, wie Benny Goodman oder Acker Bilk im Jazz berühmt gemacht, und ihr sanfter klarer Tonfall gehört auch in ein klassisches Orchester.

Alte Familientradition

Natürlich spielt Roland Dörfler selbst Klarinette. „Sonst könnte ich dieses Instrument auch nicht bauen“, sagt er. Er habe schon als Kind beim Großvater in der Werkstatt mitgeholfen und es war klar, dass er in seine Fußstapfen treten wird. Der Großvater war auch ein Holzblasinstrumentenbauer aus Graslitz im Egerland – eine Stadt mit alter Tradition im Musikinstrumentenbau. 1946 wurde er mit Familie aus der Heimat vertrieben und kam nach Oberbayern. Er begann 1951 mit der eigenen Werkstatt in Geretsried.

Bei den Automechanikern Instrumentenbau gelernt

Als Roland Dörfler 1959 bei seinem Großvater die dreieinhalb jährige Lehre begann, musste er zuerst zu den Automechanikern in die Berufsschule nach München gehen, später wurde er zu den Feinmechaniker geschoben. „Das hatte dann schon mehr mit meinem Beruf zu tun“, erzählt er schmunzelnd. Heute gibt es eine eigene Berufsschule für die Blasinstrumentenbauer in der Geigenbauschule in Mittenwald.

Neben Roland Dörfler sitzt seine Tochter Angelika. Wie der Vater hat auch sie als Kind schon das Instrument gelernt und dem Vater in der Werkstatt geholfen. Beide sind Meister ihres Faches und engagieren sich für ihr Handwerk, denn es ist ein rarer Beruf. „Man kennt sich in der Branche.“ Roland Dörfler ist Beisitzer der Meisterprüfung bei der Landesinnung Süd des Bayerischen Musikinstrumentenhandwerks, die Tochter Beisitzerin bei der Gesellenprüfung. Nur etwa fünf bis acht gelernte Holzblasinstrumentenbauer machen jährlich in Oberbayern ihren Meister.

Das Geschäft mit dem Instrument

Die Klarinetten der beiden Dörflers sind einzigartig. Selten werden diese Instrumente noch auf alten Drehbänken handgemacht und noch seltener sind sie aus einem Holz, das aus den Sechzigern oder Siebzigern stammt. Nur etwa 25 Klarinetten entstehen jedes Jahr in Dörflers Werkstatt. Er fertigt sie nur auf Bestellung an. Im August und September dagegen brummt das Geschäft mit Reparaturen. Denn viele Orchester gehen in die Sommerpause und ihre Instrumente in die Werkstatt zur Grundüberholung. Zu Roland Dörflers Kunden zählen beispielsweise die Stadtkapelle Starnberg, das Munich Swing Orchester, das Gärtnerplatz Theater oder die Berliner Philharmoniker.

Bei der Familie Dörfler dreht sich das ganze Leben um Musik: Ehefrau und Mutter Beatrix hilft mit, wo sie kann und Dackelmischling „Rocky“ schläft unter einer der beiden alten Drehbänke. Wenn Roland und Angelika Dörfler nicht Klarinetten bauen, dann machen sie selbst Musik: Sie in der Stadtkapelle Starnberg, er bei der Geltinger Tanzlmusi und beide zusammen in einem Klarinetten-Quartett.

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Angelika und Roland Dörfler in ihrer Werkstatt, Andrea Weber Angelika und Roland Dörfler in ihrer Werkstatt
Grenadill-Holz im Lager. Ein Stück von 1968, Andrea Weber Grenadill-Holz im Lager. Ein Stück von 1968
 
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